Krankheitsbild

Heroinabhängigkeit ist eine schwere chronische und damit behandlungsbedürftige Erkrankung, die die Struktur und die Arbeitsweise des Gehirns nachhaltig schädigt.1

Man unterscheidet zwischen kurzfristigen und langfristigen Effekten der Heroinabhängigkeit. Unmittelbar nach der Verabreichung (in der Regel wird es in die Vene gespritzt) wirkt Heroin vor allem euphorisierend, schmerzstillend und verlangsamt die Atmung (Atemdepression). Es kommt zu einer plötzlichen Zunahme des Empfindungsvermögens, Mundtrockenheit, einem Wärmegefühl auf der Haut und verlangsamtem Herzschlag. Vor allem die ausgeprägte Atemdepression bei einer Überdosis kann lebensgefährlich sein. Nach wenigen Stunden lässt die Wirkung nach und es kommt – je nach Dauer und Schwere der Abhängigkeit – zu ausgeprägten Entzugserscheinungen wie z. B. Schmerzen, Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Schweißausbrüchen. Damit einher geht ein ausgeprägtes Verlangen nach der Droge, das sogenannte „Craving“.

Bei Heroinabhängigkeit wird bei manchen Patienten die Erfahrung gemacht, dass sie nicht aktiv ihre Probleme angehen bzw. versuchen, ihre Konflikte zu lösen. Die Betroffenen sind dann relativ teilnahmslos, denn sie leiden im weiteren Verlauf unter der rapiden Ver­schlechterung ihrer allgemeinen Gesundheit. Sie konzentrieren ihre Energie dann eher darauf, die Beschaffung ihrer Drogen sicherzustellen. Um die Wirkung von Heroin zu verstärken bzw. zu verlängern, werden auch von manchen Patienten weitere Substanzen konsumiert (Polytoxikomanie), die das Risiko einer tödlichen Vergiftung weiter erhöhen.

Heroinabhängige sind meist von weiteren Erkrankungen betroffen. Sie leiden häufig unter Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, HIV, Pilzinfektionen oder auch Venenentzündungen. Organschädigungen durch verunreinigtes Heroin sind ebenfalls nicht selten. Daneben liegen bei opiatabhängigen Patienten häufig psychische Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie vor.2 Bei diesen unterschiedlichen Krankheiten steht nicht immer die Giftigkeit des Heroins im Vordergrund, sondern häufig die mit der Abhängigkeit ver­bundenen Lebensumstände. Diese sind in der Regel geprägt durch Arbeitslosigkeit, Schulden, Problemen mit dem Partner, Straffälligkeit durch Beschaffungskriminalität (Einbruch, Rezeptfälschung, Prostitution, Drogen­handel) und Obdachlosigkeit.2

Quellen

1.

WHO, Guidelines for the psychosocially assisted pharmacological treatment of opioid dependence, 2009

2.

Grahammer J. et al. 2014: Substitutionstherapie - Medizinische, rechtliche und polizeiliche Aspekte: Praxiskommentar. Berlin: Pro Libris Verlagsgesellschaft

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