Individuelles Behandlungsziel

Schmerzen messen, Ziele vereinbaren und Erwartungen erfüllen

Ziel der Schmerztherapie ist die nahezu vollständige Schmerzfreiheit. Akute Schmerzen sind als eine Art Warnfunktion zu verstehen, die darauf hinweisen soll, dass ein Organ oder Gewebe geschädigt ist. Wenn die Störung beseitigt wurde, sollte auch der Schmerz wieder verschwunden sein.

Ganz anderes verhält es sich beim chronischen Schmerz: Die Annahme, Patienten mit chronischen Schmerzen beanspruchten als Behandlungsziel die 'Schmerzfreiheit', wurde in einer großen Untersuchung eindeutig widerlegt. Mehr als 5.100 Patienten gaben ein Schmerz-Erträglichkeitsniveau an, das häufig über dem Wert 0, also keinerlei Schmerzen, lag. Nur 10% der Patienten konnten sich als Behandlungsziel die vollständige Schmerzfreiheit vorstellen. Das Maß an erträglichem Schmerz ist dabei bei jedem Menschen unterschiedlich.

Die Zufriedenheit des Patienten ist das Maß, an dem sich der Erfolg der Schmerztherapie messen lassen muss.

Erfolg ist das Maß an Schmerzreduktion, mit dem der Patient leben kann und bei dem er seinen Tätigkeiten im Alltag, in der Freizeit und auch im Beruf wieder nachgehen kann.

Schmerzintensität richtig einschätzen

Bei der Messung von biologischen Werten, wie dem Blutdruck und dem Blutzuckerspiegel, sind die Messgrößen einheitlich. Auf die individuellen Unterschiede zwischen den einzelnen Patienten muss dabei kaum eingegangen werden. Bei der Erfassung der aktuellen Schmerzintensität erfordert die Definition der Messgrößen, die Messung selbst und die Vereinbarung des zu erreichenden Behandlungsziels die aktive Mitarbeit des Patienten.

Die Schmerzmessung gelingt mit Hilfe einer visuellen Analogskala, der sogenannten Schmerzskala. Die Skala ist 10 cm lang und geht von 0 bis 100. Die Zahl 0 heißt dabei "kein Schmerz" und 100 "stärkster vorstellbarer Schmerz". Die Definition der Skala ist deshalb so wichtig, da die korrekte Einschätzung der Schmerzintensität des Patienten durch den Arzt entscheidend für den Therapieerfolg ist.

In einer Studie mit über 400 Rückenschmerzpatienten schätzten lediglich 19,4% der Ärzte die Schmerzen ihrer Patienten korrekt ein. Die Erfolgsrate der Schmerzbehandlung lag dann auch bei 93%. Anders sah es bei den Patienten aus, deren Ärzte die Schmerzen über- oder unterschätzten: Die Therapieergebnisse waren bei ihnen viel schlechter. Weitere Studien unterstrichen, dass die bisher gültigen Messgrößen für Schmerzintensität und Schmerztherapie zwar dem Definitionsbedürfnis der Forscher und Ärzte entgegenkommen, mit dem wirklichen Leben der Schmerzpatienten aber oft nichts gemein haben.

Die Wissenschaft definiert starke Schmerzen in der Regel als 50 und mehr auf der visuellen Analogskala. Eine relevante Schmerzreduktion wird als 30- bzw. 50%ige Schmerzreduktion auf der visuellen Analogskala bewertet. Ob dies aber den individuellen Empfindungen der Patienten entspricht, bleibt sicher fraglich.

Voraussetzung für eine effektive Schmerztherapie

Die Konsequenz aus diesen Erfahrungen bleibt, dass

Schmerzen messen - Ziele vereinbaren - Erwartungen erfüllen

der Weg für eine effektive Schmerztherapie ist.

Quellen

Individuelle vs. Standardisierte Therapieziele bei der Behandlung von Schmerzpatienten? Ergebnisse einer prospektiven Befragung von 5.169 Patienten mit chronischen Schmerzen, Institut für Neurowissenschaften, Algesiologie und Pädiatrie (IFNAP), Nürnberg, Studienleiter PD Dr. Michael Überall, Nürnberg, Dr. med. Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen.

Opti-B-Ox, Institut für Neurowissenschaften, Algesiologie und Pädiatrie (IFNAP), Nürnberg, Studienleiter PD Dr. Michael Überall, Nürnberg, Dr. med. Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen.

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