Welche Rolle spielt Kortison in der Therapie?

Der Entzündungshemmer hat sich in der Rheumatherapie bewährt und wirkt schon in niedrigen Dosierungen.

Wir wissen heute, dass Kortison eine ganze Reihe positiver Wirkungen auf den Krankheitsverlauf hat. Aber gehen wir noch mal einen Schritt zurück, denn wussten Sie, dass Kortison ein Nachbau des körpereigenen Kortisols ist – ein lebenswichtiges Hormon mit vielen Aufgaben? Kortisol regelt den Stoffwechsel und steuert das Immunsystem, zudem wird in Stresssituationen und bei Entzündungen, wo vermehrt Kortisol benötigt wird, dieses von der Nebenniere bereitgestellt. Dies ist der Ablauf bei gesunden Menschen.1

Bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis steigen die Entzündungsstoffe nachts an, jedoch wird Kortisol nicht in ausreichender Menge ausgeschüttet. Das führt dazu, dass der Körper den Entzündungsstoffen nachts nicht ausreichend Kortisol entgegensetzen kann – genau deswegen kann die zusätzliche Gabe von Kortison, dem Nachbau von Kortisol, genau zum richtigen Zeitpunkt viel bewirken.

Angst vor Kortison – (un)begründet?

Kortison wurde vor gut sechzig Jahren zum ersten Mal in der Medizin eingesetzt – und von der guten Wirksamkeit war man so begeistert, dass das damals neue „Wundermittel“ viel zu hoch dosiert gegeben wurde. Die Ernüchterung folgte schnell, als eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen auftraten. Bis heute hält sich deshalb bei vielen Patienten die Angst vor einer Kortisontherapie. Diese ist jedoch in den meisten Fällen unbegründet, denn man hat mittlerweile viel über den bestmöglichen Einsatz von Kortison gelernt. So hat man zum Beispiel herausgefunden, dass Kortison in sehr geringen Mengen gegeben werden kann und trotzdem eine so gute entzündungshemmende Wirkung erzielt wird, dass sowohl die Symptome als auch die fortschreitende Gelenkzerstörung wirksam bekämpft werden.  Insbesondere zu Beginn der Erkrankung ist der Einsatz von niedrig dosierten Glukokortikoiden häufig sinnvoll, um die Gelenkentzündung frühestmöglich zu hemmen, da die Basistherapien erst verzögert nach mehreren Wochen oder Monaten Wirkung zeigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kortison „einer der besten entzündungshemmenden Wirkstoffe ist, die zur Behandlung zur Verfügung stehen“.

Low-Dose-Therapie mit Kortison – was heißt das?

Bei einer Dosis von 7,5 mg am Tag oder weniger spricht man in der Regel von der „Niedrigdosis“- oder „Low-Dose“-Therapie. Bei so geringen Mengen sind auch mögliche Nebenwirkungen wesentlich schwächer. Es wird immer versucht, die kleinste noch wirksame Dosis zu finden – aber je nach Krankheitsaktivität ist es von Patient zu Patient sehr verschieden, welche Menge noch wirksam ist. Daher wird immer nur in sehr kleinen Schritten ausprobiert, ob die Dosis noch weiter verringert werden kann. Eine niedrig dosierte Kortisonbehandlung kann bei Bedarf über Monate und sogar Jahre hinweg durchgeführt werden. Lediglich im akuten Schub wird kurzfristig auf größere Mengen umgestellt. Ob und in welchem Umfang eine Dosisanpassung notwendig ist, wird im konkreten Fall Ihr Arzt mit Ihnen besprechen.

Quellen

1.

Kaiser H. & Kley H.K. Cortisontherapie –Corticoide in Klinik und Praxis 11., neubearbeitete Auflage. Georg Thieme Verlag Stuttgart; New York 2002.

2.

Schneider M, Lelgemann M, Abholz HH et al. (2011) Interdisziplinäre S3-Leitlinie: Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage (siehe Seite 62 Kapitel 8.2.4 „Prinzipien der Therapie“ insbesondere „Medikamentöse Therapie“)

3.

Patientenbroschüre S. 15 „Welche Rolle sielt Kortison?“

Informationsmaterial

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