Asthma und Arbeit

Die Fakten

Der dauerhafte Kontakt mit reizauslösenden Stoffen am Arbeitsplatz kann zur Entstehung oder Verschlimmerung von Asthma führen. Etwa 250 Stoffe können Auslöser von berufsbedingtem Asthma sein1. Besonders gefährdet sind Beschäftigte, die Stäuben ausgesetzt sind z. B. im Bäcker- und Konditorhandwerk.

Wenn bei der Arbeit asthmatische Beschwerden auftreten, diese aber in der Freizeit, im Urlaub und zu Hause nachlassen, liegt der Verdacht auf Berufsasthma nahe. Eine ärztliche Begutachtung ist notwendig, um die abschließende Diagnose zu stellen.

Bei Vorliegen einer entsprechenden Diagnose kann Asthma als Berufskrankheit anerkannt werden. Asthma zählt in Deutschland zu den häufigsten Berufskrankheiten2. Steht die Diagnose fest, gilt es zunächst, die Auslöser zu identifizieren und zu meiden. Laut §3 der Berufskrankheitenverordnung muss unverzüglich eine Expositionsprophylaxe (die Vermeidung belastender Stoffe) am Arbeitsplatz oder im Einzelfall auch eine Unterlassung der gefährdenden Arbeit erfolgen. Dies bringt häufig Änderungen der Art der Tätigkeit, im Extremfall sogar einen Berufswechsel und eine Umschulung mit sich. Betroffenen stehen dafür verschiedene sozialrechtliche Leistungen und Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Auskunft geben hierzu z.B. die Integrationsämter.

Auch wenn ein Berufswechsel einen radikalen Einschnitt darstellt, kann sich dieser lohnen: Die Heilungschancen für Berufsasthma sind gut, wenn innerhalb des ersten Jahres nach Auftreten der Symptome der Kontakt mit den auslösenden Stoffen vermieden wird.

Asthma im Berufsalltag

Viel größer als die Zahl der Betroffenen mit Berufsasthma ist die Zahl der berufstätigen Asthmatiker, deren Erkrankung unabhängig von Substanzen im Arbeitsumfeld ausgelöst wurde, die bei der Arbeit aber unter Beschwerden leiden oder bei denen sich die Symptome am Arbeitsplatz aufgrund belastender Faktoren sogar verschlimmern. Die Mehrzahl der Asthmatiker zählen zu dieser zweiten Gruppe.

Ungünstige Faktoren im Arbeitsumfeld können die Situation von berufstätigen Asthmapatienten erschweren. Denn anders als in ihrem privaten Umfeld können Asthmatiker in ihrer Arbeitsumgebung nicht immer die Bedingungen schaffen, die ihnen und ihrer Gesundheit gut tun. Atemwegsreizende Substanzen wie Tonerstaub aus Druckern und Kopierern, eine sehr trockene Luft durch Klimaanlagen oder starke Temperaturschwankungen am Arbeitsplatz können dazu führen, dass sich die Erkrankungssymptome verschlimmern und die Bewältigung der Erkrankung sowie eine erfolgreiche Therapie erschwert wird. Auch Stress und große körperliche Anstrengung bei der Arbeit können sich negativ auswirken.

Umgekehrt kann aber auch eine nicht optimal mit Medikamenten kontrollierte Asthma-Symptomatik Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit bei der Arbeit haben. Das berufliche Umfeld und die Behandlungen am Arbeitsplatz sind für Menschen mit Asthma daher nicht zu unterschätzende Faktoren beim Umgang mit ihrer Erkrankung.

Anders als bei Beschäftigten mit Berufsasthma stehen diesen Betroffenen deutlich weniger Unterstützungs- und Informationsangebote zur Verfügung. Dabei besteht auch bei diesen Patienten ein hoher Leidensdruck hinsichtlich erkrankungsbedingter Probleme am Arbeitsplatz, wie eine Umfrage3 unter Arbeitnehmern mit Asthma ergeben hat. Über die Hälfte der Befragten fühlt sich durch die Erkrankung in ihrer Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz beeinträchtigt. Etwa ein Viertel der Befragten mussten aufgrund ihrer Erkrankung sogar schon einmal berufliche Nachteile in Kauf nehmen. Über 80 % der Patienten halten „Asthma und Arbeit“ für ein relevantes Thema. Die Mehrzahl vermisst jedoch Informationsmöglichkeiten zu diesem Thema und nur wenige sprechen mit ihrem behandelnden Arzt darüber. Es besteht also ein akuter Informations- und Handlungsbedarf.3

Berufswahl und Ausbildung

Junge Menschen mit Asthma, die vor der Berufswahl stehen, sollten bei der Wahl ihres Tätigkeitsfeldes besonders auf mögliche Belastungen der Gesundheit achten und vor der Entscheidung mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten. Nicht zu empfehlen sind Berufe, in denen eine hohe Staubbelastung und der Kontakt mit potenziell allergieauslösenden Substanzen, mit Chemikalien oder giftigen Stoffen zu erwarten ist. Auch körperlich stark belastende Tätigkeiten sind weniger gut geeignet. Im Zweifelsfall kann es sinnvoll sein, zunächst in einem Praktikum zu erproben, ob der gewählte Beruf beschwerdefrei ausgeübt werden kann.

Kaufmännische Berufe, Bürotätigkeiten und technische Berufe sind in den meisten Fällen für Asthmatiker geeignet, da nur geringe Belastungen mit reizauslösenden Stoffen zu erwarten sind. Auch Handwerksberufe, in denen geringe Staubbelastung und wenig Kontakt zu Chemikalien besteht, sind möglich.

Wenig geeignet sind dagegen unter anderem:

  • Bäcker und Konditor (Mehlstaub, Hefe, Backmittel)
  • Landwirt, Gärtner (Pollen, Tierhaare, Federn)
  • Holzverarbeitende Berufe (Holzstaub, Lacke, Kleber)
  • Friseur (Haarfarben, Chemikalien, Duftstoffe)
  • Maler, Lackierer, Fliesenleger (Farben, Lösungsmittel, Kleber)
  • Bauarbeiter (Staub, körperliche Anstrengung)
  • Reinigungskraft (Chemikalien, Hausstaub)

Quellen

1.

„Arbeitsplatzbedingte Erkrankungen – wo lauern die Gefahren“.
Information der Deutschen Atemwegsliga.

2.

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 38, S. 25

3.

Go Medizinische Marktforschung, Umfrage Juli 2011

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